Aus 1 mach 2 – ZDZ 90 RV-J

Sortimenterweiterung und Qualitätssteigerung durch technische Weiterentwicklungen sind nach eigenem Bekunden erklärtes Firmenziel des Motorenherstellers ZDZ aus der Tschechischen Republik. Volker Steinkamp vertreibt die Motoren hier bei uns und rührt ordentlich die Werbetrommel. Das ist auch gut so, denn nirgends gibt es direkte Vergleiche zu den Billigprodukten aus Fernost. ZDZ_1So kann man nur die eigenen Qualitäten herausstellen. Zur Werbekampagne Steinkamps gehört es auch, dass etliche Motoren an sehr eifrige Modellpiloten aus der Kunstflugszene ausgegeben wurden, damit sie auf den Flugevents präsentiert werden. So kann der potentielle Kunde die Triebwerke unter realistischen Bedingungen im Einsatz erleben und sich selbst ein Bild machen.

So ging es auch mir. In einer 2,6-Meter-Kunstflugmaschine wurde der neue 90 RV-J überzeugend eingesetzt. Im Übrigen kann man die Aufnahmen eines Flugs von Tom Weiss mit dem 90er auf der Homepage von Steinkamp in der Rubrik Videos einsehen – beeindruckend. Ich bestellte also den Motor und holte ihn auf der ProWing am Stand von Steinkamp ab.

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Der Lieferumfang zum ZDZ 90 RV-J. Neben Motor und Zündung wird auch Zubehör wie Kerzenschlüssel, Inbus, Krümmerdichtungen, Anlenkungsclips und Hebel mitgeliefert. Eine Betriebsanleitung liegt ebenfalls bei.

ZDZ hat sein etwas angegrautes Image abgestreift. Das liegt wohl besonders an den neuen Motorenreihen mit etlichen technischen Veränderungen und Neuerungen, aber auch sehr an Volker Steinkamp. Er ist bestrebt, den notwendigen unverzüglichen Service und die Ersatzteilversorgung sicherzustellen. In seiner Firma in Meißen kann man auch nach Absprache alle Motoren in Augenschein nehmen. Ein gutes Angebot an Zubehör, wie Propeller und Abgasanlagen, wird ebenfalls bereitgehalten. Bemerkenswert sind auch die vielen Sonderanfertigungen von ZDZ, die nicht zur Standardpalette gehören, aber auf Kundenwunsch individuell gefertigt werden.

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Der Vergaser ist ein Walbro-Membranpumpenvergaser. Gesteuert wird er durch einen Drehschieber im Heck. Eine hauchdünne Stahlscheibe mit einer definierten Öffnung dreht mit der Kurbelwelle und gibt bei jeder Umdrehung ein kleines Fenster für das aufbereitete Gasgemisch frei. Ein optionaler Ansaugtrichter kann die Drehzahl noch einmal um bis zu 150 rpm steigern.

Doch zurück zur Serie. Vom Einzylinder mit einem Hubraum ab 40 bis 90 ccm über Reihenmotoren bis 420 ccm und Boxermotore ab 80 bis 210 ccm wird eine breite Palette an Triebwerksgrößen und -varianten abgedeckt. Die neuen großen Vierzylindermotoren sind optional auch mit Anlasser, Getriebe und eigenem Generator erhältlich. Der neue 90er ist, neben seinem großen Bruder, dem 180er Boxer, der erste einer neuen Generation mit deutlichen Veränderungen zu bisherigen Serien. Wesentliche konstruktive Veränderungen hat es an Kurbelgehäuse und Welle gegeben, und auch die Kühlrippen wurden effektiver ausgestaltet. Besonders begrüßenswert ist die Veränderung der Montage der Zündkerzen. Eine kleine 10er Kerze wird nun ohne Kerzenschuh oder Adapter direkt in den Zylinderkopf geschraubt. Das ist der künftige Standard bei allen ZDZ-Motoren.

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Die Anlenkhebel sind noch zu montieren. Neu ist am Vergaser, dass die Chokeklappe unter einer leichten Federspannung einrastet, nachdem sie manuell
geschlossen wurde. Sobald die Anlenkung für die Drosselklappe auch nur einen Millimeter bewegt wird, springt die Drosselklappe selbständig wieder auf.

Der 90er Einzylinder ist nicht nur einen potenten Motor beispielsweise für größere Scale-Modelle mit schmalen Motorhauben, sondern auch eine Alternative zu Boxermotoren um 100 ccm für den Einsatz in Kunstflugmaschinen. Die Kraft ist nahezu identisch, man benötigt aber nur eine Abgasanlage. Weniger Platzbedarf und geringerer finanzieller Aufwand sind sicher Vorteile.

Der einzylindrige 90 RV-J wurde auf Basis des 180B2RV-J Boxers entwickelt. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Halbierung des Hubraums durch Wegnahme des zweiten Zylinders aussieht, zeigt sich bei näherer Betrachtung als eine recht komplexe Neukonstruktion unter Verwendung eines Zylinders und Kolbens des 180ers mit wiederum hervorragenden Leistungsdaten.Von der Konzeption her ist dieser Motor recht einfach aufgebaut: Kurbelgehäuse, beschichteter Zylinderkopf etc. – wobei alles auf den Modellflugbereich hin optimiert ist: klein, leicht und effektiv.

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Mit günstigen Baumaßen präsentiert sich ein äußerst schmaler Motor und bietet sich nicht nur für Kunstflugmodelle um …

Die Typenbezeichnung ist klar. Der ZDZ 90 RV-J ist ein 90-ccm-Einzylindermotor mit einen am Heck des Kurbelgehäuses (RV = Rear Valve) angeflanschten Membranpumpenvergaser. Die Drehschiebersteuerung der Spritzuführung lässt gegenüber einem Flatterventil eine deutlich präzisere Gemischsteuerung zu. Der Drehschieber wird an den hinteren Gehäusedeckel angedrückt und dichtet so ab. Durch diese Heckanordnung baut der Motor äußerst schmal auf, was oftmals unschöne Ausschnitte in den Motorhauben vermeidet. Die Baumaße und Explosionszeichnungen findet man übrigens unter www.zdz-deutschland.de im Internet.

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Die neue Microprozessorzündung am ZDZ 90 RV-J. Sobald der Magnet unter dem Sensor bewegt wird, wird auch ein Zündfunken generiert. Eine hohe Mindestum-drehungsgeschwindigkeit ist nicht nötig. Nach einer Minute Stillstand …

Beim Zündsystem greift ZDZ ab der aktuellen Motorengeneration auf eine neue eigene Entwicklung von Mikroprozessorzündungen speziell für diese Zweitakter zurück. 4,8 bis 7 V mit mindestens 1,2 Ah werden vom Vertreiber als Energiequelle empfohlen. Die weiteren Daten der Zündanlage: Ruhestrom 13 mAh, Betriebsstrom 1,1 A bei 9.000 rpm, Gewicht knapp 140 g. Die Zündungen schalten sich nach einer Minute Untätigkeit selbständig ab. Die Verbindung zum Akku muss in jedem Fall über einen Ausschalter verfügen – nicht nur, um das laufende Triebwerk abstellen zu können, sondern auch, um die Zündung nach automatischer Selbstabschaltung wieder aktivieren zu können. Serienmäßig ist die Zündeinheit elektronisch abgeschirmt, zusätzlicher Aufwand ist hier nicht nötig. Eine Spätzündung verhindert ein Zurückschlagen des Motors beim Anlassvorgang. Auch gibt es keine hohen Mindestdrehzahlen mehr; die Zündung arbeitet schon bei leichtestem Durchdrehen, ab 50 rpm, und wenn das Gemisch stimmt, springt das Triebwerk auch sofort an.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 6/2013 des MFI Magazins.

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