TWIN ASTIR – 7 m Astir von ROKE

Einen Grob G103 Twin Astir sieht man nicht so oft auf den Modellflugplätzen, besonders keinen so großen wie das Modell von ROKE. Dieser Twin Astir ist als Voll-GfK Scale-Modell im Maßstab 1:2,5 mit sieben Metern Spannweite aufgebaut. Vorbildbedingt ein Riesending. Und für ihn gelten die Charaktereigenschaften wie beim Original; treffend besungen im Astir Lied: »Twin – Mit beiden Armen«. Das muss man sich anhören, dann kann man mitreden.

Roland war ein begeisterter Flieger und begnadeter Modellbauer

Bei uns im MFI-Hangar steht eine Speed Canard im Maßstab 1:2,5. Und da die Konstrukteure den Rumpf eines Twin Astirs im Original wie auch im Modell als Vorlage zur Speed Canard nutzte, musste der Twin natürlich auch in M1:2,5 irgendwann dazu kommen. Roland Kern aus Wannweil hatte den Twin Astir I als Superscale-Modell mit allem Drum und Dran konstruiert und lange Zeit als Voll-GfK-Modell angeboten. Als Luxusmodell hatte das natürlich dann auch seinen Preis; es wurden auch deshalb wohl nur eine überschaubare Zahl dieser Exklusivmodelle verkauft. Für uns ergab sich aber die Möglichkeit, den ROKE Twin als Gebrauchtmodell von Modellbaufreund Otto zu übernehmen. Allerdings mit der Notwendigkeit, ihn in Teilen zu überarbeiten. Und damit er dann wieder wie neu erscheinen konnte und auch transportfreundlich wurde, war sogar eine Vollrestauration mit erheblichen Umbauten fällig. Will man sich das antun? Unbedingt, es lohnt sich. Leider ist Roland am 14.09.2023 verstorben. Die Modellbauwelt hat einen begeisterten Flieger verloren. Wie es mit dem Twin Astir weitergeht ist zurzeit nicht bekannt. Aber so einzigartige Modellformen verschwinden nicht einfach so; wir werden sehen, was die Zukunft bringt. In jedem Fall bleibt uns der Roland als Konstrukteur dieses wunderschönen Modells immer in Erinnerung.

M1:2,5 Modell

Roland Kern war schon ein begnadeter Modellbauer. Zur Konstruktion seines Twin Astir I wurden die Originalpläne von Grob genutzt. Kompromisse beim Scale-Modell ging er nur ein, wenn es für eine verkleinerte Modellkonstruktion absolut notwendig war. Sonst ist alles wie beim Original. Da sei nur die Flächensteckung genannt, die eine exakte 1:2,5 Nachbildung der originalen ist. Auch in der Funktion, dem Zusammenbau der Flächen an den Rumpf, ihre Sicherung, etc. Alles gleich. Mit dem Schelm im Nacken könnte man sogar noch hinzufügen, dass beim Zusammenbau des Modells auch besser einige Helfer dabei unterstützen; wie beim Original eben. Und um es vorwegzunehmen, auch die Flugeigenschaften des Originals konnten auf das Modell übertragen werden; absolut souverän dahingleitend und äußerst gutmütig. Wie konnte sich ein Modell so lange am Markt halten? Natürlich liegt dies an dem Superscale-Aufbau, aber womöglich auch in der zeitlosen Eleganz des Originals und seiner wuchtigen Erscheinung. Mit »nur« sieben Metern Spannweite erscheint das Modell sicher noch nicht riesig; bei näherer Betrachtung allerdings entpuppt es sich aber als Gigant. Das liegt natürlich an den Ausmaßen des Originals, im Besonderen dem üppigen Rumpfdurchmesser und der großen Flächentiefe; Platzprobleme gibt es hier absolut nicht. 

Roland Kern hatte bei dieser Voll-GfK-Maschine einen erheblichen Entwicklungsaufwand betrieben, bevor das verkaufsfertige Modell aus einer Form entnommen werden konnte. Werksunterlagen wurden genutzt, das Original vermessen und viele charakterisierende Details auf das Modell übertragen, etc. Die Fertigungstoleranzen sind auf ein minimales Maß reduziert worden, so dass nicht nur eine höchstmögliche Symmetrie und Profilverlauf sichergestellt werden, sondern auch die spätere Austauschbarkeit von Einzelteilen erleichtert wird. Dabei müssen Holmverläufe, Steckungen, Ruder, etc. dem Vorgänger absolut identisch sein, um einen problemlosen Ersatz zu ermöglichen. Um die GfK-Teile leicht, aber trotzdem stabil zu machen, wurde ausschließlich die Verbundbauweise (Composite / Sandwich) angewandt. Und die musste überlegt durchgeführt werden, denn schnell werden bei zu großzügigem Materialeinsatz die 25 kg-Marke gerissen. Für 10G Belastung hatte Roland Kern das Modell gerechnet, sicher nichts für Ablasser mit folgendem 90 Grad-Abfangbogen, für den Thermikeinsatz und einfachen Kunstflug aber mehr als ausreichend. Wie das Original eben. Und nicht nur das Material wurde mit Bedacht eingesetzt, sondern vom Hersteller wurden schon gleich die verschiedenen Ruderanlenkungen und -ansteuerungen vorbereitet. Trotzdem wurden im Verlauf der Überarbeitung des Modells diverse Veränderungen vorgenommen. Wir werden sehen…

Arbeitsfelder und Problemzonen

Vereinskamerad Otto übergab seinen leicht angegilbten Twin Astir schon mit einem weinenden Auge; »was haben wir damit für herrliche Thermikflüge erlebt…«. Ich musste versprechen, das Modell wieder in einen modernen Zustand mit Top Finish zu versehen. Tat ich auch; um das Versprechen zu halten, musste aber eine Vollrenovierung durchgeführt werden. Zuerst kam aber zuhause die Bestandsaufnahme. Es gab diverse Handlungsfelder. Für die technische Erneuerung mussten sämtliche Servos mit ihren Kabeln gegen neue ausgetauscht werden. Da, wo Ruder oder Klappen originär mittels Bowdenzügen vom Rumpf aus angelenkt wurden, sollten Servos nun direkt eingesetzt werden. Ebenso sollte die riesige Wippe für die Höhenruderanlenkung weichen und zwei kleine Flächenservos direkt ins Höhenleitwerk eingesetzt werden. Das einziehbare Rad mit seiner komplexen Mechanik sollte gegen ein Tandemfahrwerk ausgetauscht werden und der TI damit zum TII mutieren. Und für die Unabhängigkeit im Betrieb sollte das eingelassene Trimmblei einem TORCMAN-Antrieb weichen. Für das optische Facelifting reichte ein neues Einsetzen der klappbaren Hauben bündig zu den entsprechenden Rumpfausschnitten, das Anschleifen und Abspachteln einiger Dellen und Schrammen und letztlich eine komplette 2K-Lackierung. Neue Decals und: fertig. So war der Plan, die Umsetzung dauerte aber doch aber so seine Zeit.

Flächen

Was immer den Roland Kern da bewogen hatte, die beiden Flächenhälften in einem Stück zu bauen, verkaufsfördernd war es eher nicht. Sicherlich scale, praktisch ist es jedoch aufgrund der sich ergebenden Transportlängen absolut nicht. Als uns das Modell übergeben wurde, musste erst ein Transporttest im Kombi erfolgen. Der Rumpf passte so gerade noch hinein, das Seitenruder musste dazu jedoch abgenommen werden. Na gut. Die Flächen passten aber in keinem Fall. Durch die aus jeder Fläche zusätzlich noch herausstehenden langen Holmverbinder spannt jede Seite 3,65 Meter. Was tun, vor dem Fliegen musste der Riese zunächst ja einmal transportiert werden. Fliegerkamerad Otto hatte dann eine eher rustikale Idee: »…säg die Flächen doch einfach mittig der Querruder durch und bau da eine Steckung ein«. Oha, eine Voll-GfK-Fläche…

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 12/2023 MFI Magazin.

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